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Die Bio-Lüge

Die Öko-Statistik

In Deutschland leben zurzeit ca. 13 Millionen Rinder, 27 Millionen Schweine, 67 Millionen Masthühner und 30 Millionen Legehennen. Trotz "Öko-Boom" in den letzen Jahren - zurückzuführen auf ein gesteigertes Verbraucherinteresse und finanzielle und ideelle staatliche Förderung von Öko-Betrieben – ist der Anteil der "Nutztiere" in ökologischer Haltung nur verschwindend gering. So sind lediglich 2,9% der deutschen Milchkühe, 0,7% aller Mastschweine und 0,6% der Masthühner "Öko-Tiere", bei Legehennen liegt der Öko-Anteil bei 5,7% (Quelle: AMI, 2009).  Trotz der höheren Marktpreise für Bioprodukte erwirtschafteten deutsche Bio-Tierhalter mit ihren Bioprodukten im Jahr 2009 nur einen Anteil von 3,1% der gesamten Gewinne aus „tierischen Erzeugnissen“.

Die Öko-Illusion

Die konventionelle landwirtschaftliche "Nutztierhaltung" betreffend ist jedem, der sich auch nur etwas mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, klar, dass diese Tiere allesamt ein nicht artgerechtes, furchtbares Leben führen, bis sie am Ende nach stunden- oder tagelangen Tiertransporten in irgendeinem Schlachthof der Welt landen. Bilder von Legehennenanlagen, finsteren Schweinemastanlagen, Milchkühen mit schmerzhaft großen Eutern kennt jeder. Die Illusion von "glücklichen Tieren" z.B. auf Biohöfen gefällt den Verbrauchern, denn schließlich erleichtert sie ihr Gewissen beim Konsum tierischer Produkte. Dass es auch den Bio- und Ökotieren im Leben alles andere als gut geht und sie das gleiche Ende bei gleicher Schlachtmethode im Schlachthof nehmen, wird durch die Öko-Täuschung geschickt und erfolgreich verdrängt.

Die Vortäuschung der "Artgerechten Nutztierhaltung"

Begriffe wie "Öko" und "Bio" verknüpft der Verbraucher automatisch mit glücklichen Tieren und "artgerechter Haltung", freilaufenden, zufriedenen Tieren, die ihre arteigenen Bedürfnisse ausleben können und nicht zum bloßen "Nutztier" degradiert werden. Doch diese Verknüpfung ist fatal: weder "Öko" noch "Bio" stehen für "glückliche Tiere" und auch von "artgerechter Haltung" beim Biobauern kann keine Rede sein. Die Lebensbedingungen der Tiere unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der Tiere in der konventionellen Massentierhaltung, ihr "Plus" sind nur einige Zentimeter mehr Lebensraum.

Ein 100kg schweres Mastschwein wird wahrscheinlich nicht bedeutend glücklicher dadurch, dass ihm statt 0,65qm (konventionelle Haltung) dann 2,3qm Platz als "Bioschwein" zugestanden werden. Auch hat solch ein "Bioschwein" keinen Anspruch auf tatsächlichen Freilauf im Grünen und sieht wie seine Artgenossen in der konventionellen Haltung in der Regel niemals eine Wiese oder gar Waldboden unter seinen Füßen. "Öko" ist nicht ein glückliches Schwein, welches nach Herzenslust im Wasser planschen darf - Öko täuscht bewusst tierfreundliche Verbraucher und gaukelt eine heile Nutztierwelt vor, wo keine ist.

Niemand denkt bei einem Bio-Ei daran, dass auch bei der Zucht von Bio-Legehennen die männlichen Küken an ihrem ersten Lebenstag vergast, zermust oder anderweitig getötet werden, weil ihre Mast nicht rentabel wäre. Für die Produktion von Bio-Milch und Milchprodukten muss eine Bio-Kuh jedes Jahr ein Kalb austragen - ein Kalb, welches auch der Bio-Milchkuh kurz nach der Geburt weggenommen wird und als "Nebenprodukt" keinen Anspruch auf die Gesellschaft und die Milch der eigenen Mutter hat.

Die EG - Ökorichtlinien

Die EG-Ökorichtlinien räumen letzte Vorstellungen einer "artgerechten Tierhaltung" aus. Laut EG-Recht (siehe vor allem Anhang III) steht z.B. einem "Öko-Kälbchen" bis 100kg Gewicht ein "Lebensraum" von insgesamt 2,6qm zu; diesen Lebensraum hat es für sich ganz allein, denn auch "Öko" lässt zu, dass Kälber schon in den ersten Lebenstagen von ihren Müttern getrennt und isoliert z.B. in so genannten Kälber-Iglus aufgezogen werden. "Öko" - Milchkühe führen ihr "glückliches Leben" auf sage und schreibe 10,5qm. Eine Sau und ihre durchschnittlich 12 Ferkel auf 10qm "Lebensraum" erfüllen ebenso die Öko-Richtlinie. Später stehen diesen Ferkeln bis zu einem Gewicht von 50kg 1,4qm Schweinebucht zur Verfügung. Im Gegensatz zu ihren Artgenossen in konventioneller Haltung haben sie ein paar Halme Stroh unter den Füßen. Weder Kälbern noch Ferkeln noch Masttieren wird nach den Öko-Richtlinien Freilauf "auf der grünen Wiese" zugestanden. Ihre "Privilegien" als Öko-Tiere: sie haben Anspruch auf einen Blick nach draußen, auf Wasser und auf ein bisschen Stroh.

Die Bio-Anbauverbände

Die Bio-Anbauverbände (Bioland, Demeter, Naturland und Co) werben damit, noch viel strengere Kriterien anzulegen als die EU-Bio-Richtlinie. Der KonsumentIn wird suggeriert, dass es sich bei diesen Siegeln nochmal um eine ganz andere Kategorie handelt als "nur" EU-Bio. Dabei geht es auch hier nur um lächerliche Veränderungen. Auch die bekannten Anbauverbände sind keine Garanten für "glückliche Tiere". Die Suche nach der heilen Tierhaltungs-Welt wird immer verrückter. Systematisch ausgeblendet werden Schlachtung, Zwangsschwängerung, Kindesraub, Verzüchtung, Freiheitsentzug und permanentes Ausgeliefertsein. Fühlende Wesen werden zwangsläufig zu nichts weiter als Waren für menschliche Märkte degradiert – ob demeter, bio oder konventionell. Die Suche nach dem Ausnahmebetrieb, bei dem man in einer Momentaufnahme vermeintlich glückliche Tiere sieht, dient der Beruhigung des Gewissens aller Fleischesser. So können sich alle weiterhin einreden, dass ihre Tierprodukte schon nicht so grausam hergestellt wurden. (... mehr Details zu den Bio-Anbauverbänden)

Massentierhaltung auch bei "Bio" und "Öko"

Was in der konventionellen Nutztierhaltung für die Landwirte unerlässlich ist, nämlich hohe Bestandszahlen, um wirtschaftlich "produzieren" zu können, gilt auch für "Bio-" und "Ökobetriebe". So ist auch ein Betrieb, der nach "Bio"- und "Öko"- Richtlinien" arbeitet, kein idyllischer Bauernhof mit ein paar glücklichen Tieren, sondern auch hier findet man die gleiche Massentierhaltung mit Hunderten, Tausenden und Zehntausenden Tieren wie im konventionellen Bereich. Institutionen bzw. Fleisch-, Milch- und Eiererzeuger wie z.B. der "Neuland-Verein", der sich unter Leitung des "Deutschen Tierschutzbundes" die "artgerechte Tierhaltung" auf die Fahnen geschrieben haben, begrenzen die Tierhaltung in ihren angeschlossenen Bertieben auf "überschaubare" 10.000 (!) Legehennen, 6000 Masthühner, 2000 Mastenten, Gänse und Puten pro Betrieb, 650 Mastschweine oder 500 Mastschweine plus zugehörige Zuchtsauen, 95 Zuchtsauen bei Ferkelerzeugern - also "Massentierhaltung" mit dem Gütesiegel des Deutschen Tierschutzbundes.

Das Ende: "Humanes Schlachten"

"Öko"- und "Bio"- Tiere erleiden kein anderes Ende als andere Tiere: nach einer Betäubung mittels Strom, Gas oder Bolzenschuss wird den lebenden Tieren vom Schlachter der Hals aufgeschnitten, sie sterben durch Ausbluten, was einige Minuten dauert. Viele Schlachttiere erleben aufgrund mangelhafter Betäubung ihren Tod bei mehr oder weniger vollem Bewusstsein. Schlachten und töten kann niemals "human" sein.

"Tierschützer" und die "artgerechte Nutztierhaltung"

Tierschützer engagieren sich für Tiere mit dem erklärten Ziel, Leid und Tod von Hunden, Katzen, Kaninchen und anderen Haustieren abzuwenden. Doch wenn es um "Nutztiere" geht, ist der Schatten, über den die meisten Tierschützer zu springen vermögen, erstaunlich groß. Dann geht es nicht mehr um die Abwendung von Leid und Tod, sondern nur noch um "weniger Leiden" im kurzen Nutztierleben. Eine Gleichbehandlung von Haus- und Nutztieren hätte zur Konsequenz, dass vor allem doch Tierschützer sich stark machen müssten für eine drastische Verringerung des Konsums tierischer Produkte, da nur so das Leiden und Sterben der "Nutztiere" verhindert werden kann.

Wenn Landwirtschaftsministerien, Landwirte oder Metzgereien dem Verbraucher eine "Artgerechte Nutztierhaltung" vortäuschen, wo keine ist, damit ihm nicht der Appetit auf Fleisch vergeht, wundert es nicht. Wenn jedoch "Tierschützer" dies in vollem Bewusstsein und wider besseren Wissens tun, schon. Statt eines Verzichtes auf tierische Produkte, anstelle von Vegetarismus- und Veganismuskampagnen propagieren die meisten "Tierschützer" massiv "Bio"- und "Öko"- Fleisch, Mich und Eier und unterstützen kräftig, was sie doch eigentlich bekämpfen sollten: Leid und Tod von Tieren.

Realität statt Bio-Idylle

Das trostlose, leidvolle Leben der "Öko-Tiere" wird durchweg als "artgerecht" propagiert, die "glücklichen Tiere" werden "schonend transportiert" und "human geschlachtet". Bio-Verfechter haben kein Problem damit, die Ausbeutung und das alles andere als artgerechte Leben der Bio-Tiere als "besonders artgerecht" zu bezeichnen und hoch zu loben. Zuchtsauen im Kastenstand, lethargische Kälber ohne Mütter und weit und breit keine grüne Wiese, Milchkühe in Anbindehaltung, Mastschweine in verkoteten Ställen, Bio-Hühner, die ebenso zerrupft sind wie ihre Genossinnen in der konventionellen Bodenhaltung: die Vorstellung von Bio-Idylle zerbricht beim Blick hinter die Kulissen.

Staatliche Öko-Werbung

Die Landwirtschaftsministerien des Bundes und der Länder machen sich stark für "Bio" und "Öko". Schon Kindern wird heute im Kindergarten und in der Schule erklärt, dass "Bio" und "Öko" gut und gesund ist, für Tiere und Menschen. Trügerische, nicht den Öko-Tatsachen entsprechende Bilder glücklicher Schweine, friedlich grasender Kühe und freilaufender Hühner und die ebenfalls sofort dazu gelieferten Bezugsquellen und Rezeptideen, die gratis Bio-Milch in Schulen, und andere Werbestrategien sollen auch den letzten Zweifler überzeugen, weiterhin zu tierischen Produkten zu greifen.

So gibt es staatliche Ökopropaganda schon für die Kleinsten: Ökowettbewerbe für Kinder, wo sie beigebracht bekommen, dass es - ganz entgegen der ursprünglichen Einstellung der meisten von ihnen - nichts Schlechtes ist, Tiere zu töten, um sie aufzuessen oder sie einzusperren, um sich ihre Milch und ihre Eier anzueignen, dass Kühe, Schweine, Hühner und andere "Nutztiere" dazu da sind, um von Menschen ausgebeutet und getötet zu werden.

Das Verbrauchergewissen

Die Bio- und Ökopropaganda der Landwirtschaft, der Ministerien und der "Tierschützer" hat nicht nur dazu geführt, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher massiv der Täuschung einer "artgerechten Nutztierhaltung" unterliegen, wo es nur so wimmelt von "glücklichen Tieren in einer intakten Umwelt" und der Landwirt "die Sau raus lässt", was immer wieder entgegen aller Tatsachen in Bild und Schrift verbreitet wird. Die Konsequenzen dieser Fehlinformationen reichen noch viel weiter:

Je mehr die Existenz "glücklicher Nutztiere" vorgegaukelt wird, desto eher verfallen die Konsumenten tierischer Produkte der Vorstellung, auch "ihr" Ei, "ihre" Milch, "ihr" Schnitzel stamme gewiss auch von solch einem "glücklichen Tier", so dass man es durchweg ohne schlechtes Gewissen konsumieren kann. Das betrifft nicht nur diejenigen, die ("aus Tierschutzgründen") bewusst Bioprodukte kaufen, sondern alle anderen auch. Schließlich prangt zur Täuschung des Verbrauchers beim Metzger auch noch ein großes Plakat eines glücklichen fröhlichen Schweins im Schaufenster und das gekaufte Fleisch trägt ein Gütesiegel.

Die Zukunft des "Tierschutzes" in der Nutztierhaltung

Wir haben zwar ein - wenn es konsequent und auch auf "Nutztiere" angewendet werden würde - gutes Tierschutzgesetz und der Tierschutz hat Verfassungsrang. Die Umsetzung des Staatsziels Tierschutz scheitert aber in allen Bereichen der Nutztierhaltung an heftigen Widerständen der Agrarlobby. Das Verbot der Käfighaltung von Legehennen nach jahrelangen Protesten von Tierschützern wurde gefeiert und bejubelt. Die Hennen sitzen - obwohl diese Haltung ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ist - nach wie vor in ihren Käfigen und voraussichtlich wird dies auch so bleiben. Ebenfalls seit Jahren diskutiert wird eine neue Schweinehaltungsverordnung: die lange überfällige Umsetzung der EU-Richtlinien stößt ebenfalls auf heftigste Proteste der Agrarindustrie. Und es gibt keine verbindlichen Regelungen z.B. zur Haltung von Puten oder Mastkaninchen: "erlaubt" ist, was Profit bringt. Profitable Nutztierhaltung und ein tatsächlich artgerechtes Leben der Tiere - nämlich in Freiheit - schließen sich faktisch aus. Dies gilt auch für "Bio", Öko" & Co. Darauf, dass sich politisch die Lage der Tiere verbessern lässt, brauchen wir nicht zu hoffen.


Die einzige Hilfe, auf welche die Tiere in der Landwirtschaft hoffen können, ist die einer jeden einzelnen Verbraucherin und eines jeden einzelnen Tierfreunds, die sich den Realitäten nicht verschließen und ihre Ernährungsgewohnheiten ändern: Nicht Bio-Tod, nicht Öko-Tod sondern unversehrtes Leben ist das, was den Tieren zusteht.


Zusätzliche Recherchen und Artikel von Soylent-Network zu Biofleisch & Co:

 

 
 

Bioschwein im Biokastenstand
Bioschwein im Biokastenstand





Der Biobauer
Tierschutz?





Biokühe im Biostall
Biokühe im Biostall





Biohühner im Biostall
Biohühner im Biostall





Totes Bioferkel
Totes Bioferkel





Irreführende Tierschutzkampagne
Irreführende Tierschutzkampagne





Naturland-Hühner
Bio-Hühner, etwa 1 Jahr alt





Biokühe im Biostall
Biokühe im Biostall





Bioschweinemast
Bioschweinemast





Bioabferkelbucht
Biomutterschwein in enger Abferkelbucht

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